Anna Campbell: Eine internationalistische Kämpferin in Rojava

Helîn Karaçox (Anna Campbell) war eine internationalistische Kämpferin im revolutionären Kampf gegen die Logik des Staates, die den Menschen versklavt. Sie konnte ihre Träume in der YPJ in Rojava verwirklichen.

23 Nisan 2018 Pazartesi | Deutsch

Helîn Karaçox (Anna Campbell) wollte mit ihrem revolutionären Kampf die Versklavung der Menschen durch den Staat beenden. Auf ihrem Weg des Kampfes gegen Patriarchat und Staat hat sie sich den YPJ angeschlossen, die in Rojava den Befreiungskampf der Frauen führen.


Begegnung mit der Revolution im Alter von 17 Jahren

Hêlîn Karaçox kam 1992 in England zur Welt. Schon mit 17 Jahren fing sie an, den Staat in Frage zu stellen und revolutionäre Ideen zu entwickeln. Ihre Wut gegen die zerstörerische und versklavende Politik der Staaten, die Völker, Gesellschaften, Menschen und Tiere trennen, wurde umso größer, je mehr sie verstand, wie das staatliche System Lebewesen voneinander entfremdet und darauf abzielt, überall Feindschaft zu säen. Sie rebellierte gegen das System und schloss sich einer anarchistischen Gruppe an.

Helîn kämpfte gegen die Gefangenschaft der Menschen und Tiere. Sie hat Briefe an politische Gefangene geschrieben, Bücher in Gefängnisse geschickt und an Tierbefreiungsaktionen teilgenommen.

Abschied von der Universität

Helîn kam durch ihre Recherchen zu dem Schluss, dass der Staat die Bildung dazu nutzt, seine versklavende Politik weiter zu treiben und dass die Bildungsinstitutionen nur noch als kommerzielle Zentren fungieren. 2011 verabschiedete sie sich von der Universität. Sie bildete sich stattdessen selber und unabhängig weiter. Hierbei interessierte sie sich insbesondere für geschichtliche Recherchen. Gleichzeitig nahm sie an mehreren revolutionären Aktionen gegen die Unterdrückung des Menschen durch den Menschen teil.


Richtung Rojava

Durch politische Aktivitäten der Kurd*innen in Europa machte Helîn Bekanntschaft mit der Revolution in Rojava und konzentrierte sich in ihren Recherchen vermehrt darauf. Sie las die Verteidigungsschriften des kurdischen Denkers und inhaftierten Vorsitzenden der PKK Abdullah Öcalan. Als wir uns im Krieg an der Front begegneten, erzählte sie uns, dass sie durch seine Verteidigungstexte Antworten auf einige offene Fragen und Widersprüche finden konnte: „Die Verteidigungstexte haben mir Kraft in meinem Kampf für die Freiheit gegeben“, sagte sie.

Die Nachrichtenagentur ANF hat sie gefragt, warum sie an der Revolution in Rojava teilnehmen wollte. „Es gibt hier eine Revolution. Ich wollte hier eine wirklich revolutionäre Existenz führen“ antwortete sie.

Helîn ging nach Rojava, lernte dort Kurdisch und absolvierte zusammen mit anderen internationalistischen Kämpfer*innen eine militärische Ausbildung.

Große Unterschiede zwischen Frauen in Rojava und in Europa

Während einer früheren Unterhaltung erzählte uns Helîn, dass die Frauen in Rojava das Leben in Sklaverei erkannt und den Befreiungskampf ausgeweitet haben. Sie sagte auch, dass die Frauen in Europa in einer tieferen Sklaverei leben, diese jedoch nicht wahrnehmen und glauben, frei zu sein.

Es war das Begehren Helîns, ein revolutionäres Leben führen zu können. Obwohl sie den Krieg gehasst hat, realisierte sie, dass der Kampf eine lebenswichtige Notwendigkeit für die Befreiung der Frauen ist und entschied sich deswegen, in den YPJ zu kämpfen. Helîns erste Kriegserfahrung war der historische Widerstand gegen den IS. Sie war nun eine YPJ-Kämpferin und beteiligte sich, so wie auch die anderen Frauen, tapfer am Krieg für ihre Freiheit.


Der Widerstand von Efrîn

Helîn wollte Teil des Widerstands gegen die am 20. Januar begonnenen Besatzungsangriffe des türkischen Staates auf Efrîn sein. Sie war aufgeregt, so wie ihre Freundinnen, die auch an die Kriegsfront ziehen wollten.

Als Helîn und ihre Freundin Þilan in Efrîn ankamen, haben wir uns unterhalten, während sie sich auf ihr Vorrücken an die Front vorbereiteten. Helîn, die eine enorme Motivation und Überzeugung in sich trug, beendete unsere Unterhaltung mit den Worten: „So, wir verabschieden uns jetzt. Wir sehen uns wieder an der Front.“

Helîn und ihre Freundinnen haben tagelang Widerstand gegen die inhumanen Angriffe des türkischen Staates und seiner Banden geleistet. Am 15. März, dem 55. Tag des Widerstands von Efrîn, während die entsetzlichen Angriffe in Begleitung von Kampfflugzeugen und schweren Waffen brutal weitergeführt wurden, ist unsere Freundin Helîn gefallen.



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